AREA 1 

dreidimensional 

2019













AREA 1 dreidimensional

Die Künstlerin Marliese Jung-Dörr, begleitete bereits 2017 die erste Ausstellung auf der AREA ONE. Ihre Gedanken zum 10. Jubiläum der IG AREA ONE, führen uns zur Ausstellung „dreidimensional“:

Ein Ort an dem ich nie war, ein Ort der betroffen macht und demnachhaltigen Gefühl der dünnen Schale eines Friedens und der Erinnerung an andere Zeiten. Verschiedene Parameter mussten zusammen treffen, um einen Un-Ort, in einen Kultur-Ort, einen Hochsicherheitstrakt in einen friedlichen Natur-Ort zu verwandeln, jedoch die Schuhe der Väter an Schnürsenkeln um den Hals tragend.

Ein Ort, an dem ich noch nie war und ohne dieses Ausstellungskonzept wohl nie gekommen wäre, verschiedene Wellenlängen mussten sich kreuzen, so zum Beispiel die Erinnerung an einen Samstag. Stefan sprach von diesem Ort, entdeckt wohl nicht zufällig, denn verlassene Orte sind seine gesuchten Bildwelten.

Hier und genau hier an diesem Ort, konnten wir uns eine Ausstellung vorstellen.

Ein Ort, an dem ich ich noch nie war, hat keine weiß-getünchten Wände.Spuren des Übergangs, vom Unüberwindbaren, zu einem verlassenen Ort, sichtbar die Botschaften von Sprayern und Graffiti-Künstlern.

Lange haben wir darüber gesprochen und Sarah Balzert, Michelle und Stefan Längler stellen sich der Situation. Den geschützten Raum haben ihre Bildwelten für einen Tag verlassen. Der Geruch von modrigem Wind wird haften bleiben. Heute haben sie ihre Unschuld verloren. Unschuldige Bilder, die an diesem Ort das unfassbare aufzeigen, kämpfen mit Vergangenheit und Zukunft.

Orten werden bestimmte Eigenschaften zugeordnet, meist menschlicher Natur, so ist dies ein unwirtlicher Ort.

Die Parameter der drei sind wie ein Kegelschnitt, im Brennpunkt die Hauptachse, ihre Bildwelten sind radikal zu ihrer Familienwelt. Senkrecht, wie eine schneidende Sehne, malen sie uns vor, wie die Welt auch ist. Sie schaffen Orte von starker psychologischer Natur, wie in einer begehbaren Raumcollage, befinde ich mich an diesem Ort, an dem ich nie war. Traumartige Gemälde, mit erzählerischen Psychoräumen eröffnen uns eine Welt zwischen brutaler Realität und Fiktion.

Die Künstler führen uns in ihren Bildern in einen inneren Kosmos der düsteren Gefühle und des Denkens und des Handelns. Auch quasi kultische Handlungen von Riten, exzentrischer Wesen, von Halluzination, Angst und Albträumen verfolgen uns und bohren sich wie Fieberzustände in unsere Wahrnehmung.

Erklären uns diese Szenen nicht die Welt? Wir sind beschäftigt mit vergänglichem Wohlstand, eine Unschuld wird den Tag nicht überleben, irgendwo, wo auch immer.

Warum malen die drei das? Warum malen sie nicht das Schöne, das Erhabene, oder auch das Dekorative?

Ein Ort, an dem ich noch nie war und der so ist wie er ist, das ist auch die Antwort auf die Frage.

Es ist wie es ist. Die Bilder der drei sind nie Endstationen. Ihre große malerische Kraft ist farbig und lebendig, trotz der Zerrissenheit der Figuren, zwischen sonderbarem und Halluzinationen. Ungefährlich sind ihre giftigen Pfeile nicht, doch die Chiffren zeigen uns, aus einem schlechten Traum, kann man auch aufwachen.

Kennen sie das Gefühl, aus einem Albtraum aufzuwachen, diese Situation, zwischen Traum und Realität? Kann es nicht sein, dass dies die Situation ist, die Sarah, Michelle und Stefan malen? Man kann aus schlechten Träumen aufwachen und sich über das unsere Hier und Jetzt an diesem Ort – es gibt Kaffee und Kuchen.

Wie absurd kann Realität sein und darum sind die Bilder von Sarah, Michelle und Stefan ein Teil von uns. Nicht nur an diesem Ort.

Marliese Jung-Dörr, September 2019